Forschungsbereiche

Am Beispiel des Nilbarsches im Viktoriasee lässt sich erkennen, wie komplex die Zusammenhänge in einem System, sei es ökologischer oder sozioökonomischer Art, sind. Einfache Lösungen gibt es nicht. Um nachhaltige Lösungen zu finden, müssen viele, ganz unterschiedliche Aspekte berücksichtigt werden. So reicht es nicht, sich ausschließlich um die Ökologie des Sees zu kümmern, wenn nicht gleichzeitig an Land ein menschenwürdiges und umweltverträgliches Leben gewährleistet wird.

Vom BMBF geförderte aktuelle Forschungsprojekte zielen auf eine umfassende Einbeziehung möglichst vieler Faktoren ab, um eine Nachhaltigkeit ihrer Projekte zu erreichen. Das Beispiel Viktoriasee zeigt, dass es nicht reicht, mit der Regierung eines Landes Nachhaltigkeitsprojekte durchzuführen, wenn zur selben Zeit die anderen Anrainerstaaten nicht in die Entwicklung einbezogen werden.

 

In der Nachhaltigkeitsforschung dürfen Ökologie und Ökonomie sich nicht ausschließen. Nur wenn die natürliche Lebensgrundlage langfristig gesichert ist, ist auch wirtschaftliche Entwicklung und der soziale Zusammenhalt einer Gesellschaft gewährleistet. Auch dies wird in dem Film „Darwins Alptraum“ deutlich. Beides, Wirtschaftsentwicklung und sozialer Zusammenhalt, sind wiederum die Voraussetzung für einen wirksamen Natur- und Umweltschutz. Dies gilt für einzelne Länder genauso wie für die Weltgemeinschaft.

Die Forschungsbereiche arbeiten interdisziplinär an Konzepten zur Lösung des Nachhaltigkeitsproblems. Die Nachhaltigkeitsökonomik spielt in diesem Forschungsfeld eine wichtige Rolle. Ihr kommt die Aufgabe zu, die Handlungs- und Reaktionsfähigkeit von komplexen Systemen zu sichern, in denen sowohl die Wirtschaft als auch die Umwelt berücksichtigt werden. Projekte sollen dabei langfristig angelegt, Gerechtigkeit und globale Zusammenhänge berücksichtigt sein. Mit den in der Nachhaltigkeitsökonomik gewonnenen Erkenntnissen sollen Wissens- und Entscheidungsgrundlagen geschaffen werden, die praktikable Handlungsstrategien für eine Politik der nachhaltigen Entwicklung ermöglichen.

Es hat sich gezeigt, dass nicht so sehr das Zurverfügungstellen möglichst vieler Daten zum Erfolg eines Projektes beiträgt, sondern es viel wirksamer ist, wenn Handlungsmöglichkeiten erarbeitet werden, die Vor- und Nachteile aufgezeigt und verschiedene Szenarien vorgestellt werden. Auch dürfen die unterschiedlichen Parteien die zur Verfügung gestellten Daten nicht anzweifeln, was dadurch erreicht wird, dass man eine allgemeine Akzeptanz der Informationsgrundlage zu erreichen versucht. Die Einbeziehung von örtlichen Organisationen und Institutionen ist dabei sehr wichtig. Im Falle des Viktoriasees ist es offensichtlich, dass eine Ein-Staaten-Lösung keinen Erfolg haben würde. Daher wurde versucht, Organisationen zu etablieren, in denen alle drei Anrainerstaaten vertreten sind. Dazu wurde die Lake Victoria Fisheries Organization (LVFO) als zwischenstaatliche Organisation gegründet, um „das ordnungsgemäße Management und die optimale Nutzung von Fisch und anderen Ressourcen des Sees zu fördern“.

Um dies zu erreichen, sollen die nationalen Politiken harmonisiert und gemeinsame Schutz- und Nutzungskonzepte entwickelt werden.

 

Ein weiterer wichtiger Forschungszweig in der Nachhaltigkeitsforschung stellt das nachhaltige Land- und Wassermanagement dar. Beide sind wichtiger Bestandteil in der Frage, wie zukünftig natürliche Ressourcen, Landoberfläche, Wasserqualität etc. angesichts der steigenden Weltbevölkerung, Migrationsbewegungen, Wasserknappheit und Hochwasser gewährleistet werden können. Die Art und Weise der Landnutzung ist von besonderer Wichtigkeit im Kampf gegen den Klimawandel. Abholzung, Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft, Landflucht sind nur wenige Aspekte dieses komplexen Themas. Dabei stehen nicht nur das Land im Vordergrund, sondern insbesondere auch die von ihm abhängige Bevölkerung und ihre wirtschaftliche Lage. Am Viktoriasee lässt sich eindrucksvoll erkennen, wie eng die Beziehung zwischen Landnutzung, Bevölkerungsentwicklung und Wasserqualität sind. Mit Entwicklungsprojekten, wie der Einrichtung von effizienten Kläranlagen an den Ufern des Viktoriasees oder der Vermeidung der schädlichen Kerosinlampen zu Gunsten von wiederaufladbaren Photovoltaik-Lampen, sind bereits erste Schritte eines nachhaltigen Ressourcenmanagements gemacht worden. Auch hier wurden zudem internationale Lösungen gefunden. Das von der Weltbank unterstützte Lake Victoria Environmental Management Project wurde bereits verlängert. Dabei steht die Kontrolle der Wasserhyazinthe, Verbesserung im Fischerei-Management und der Fischerei-Forschung, die Überwachung der Wasserqualität, das Management der städtischen und industriellen Abwässer, Erhaltung der Biodiversität, der Wälder und Feuchtgebiete im Seegebiet, nachhaltige Landnutzungspraktiken und Capacity Building im Vordergrund.

In der ersten Phase des Projekts wurden 144 kleinere Projekte in den Bereichen Gesundheit, Wasserversorgung und -entsorgung, Bildung, Straßenbau, Fischerei und Aufforstung initiiert. In der anschießenden Phase II soll die Konzentration auf den Bereichen Forschung und Entwicklung, Management und sozioökonomische Entwicklung liegen. Am 29. November 2003 unterzeichneten die drei Anrainerstaaten ein umfassendes Abkommen zum grenzübergreifenden Seegebietsmanagement für eine nachhaltige Entwicklung des Viktoriasees. Eine hierfür eingerichtete Kommission soll die Förderung und Koordination der Aktivitäten für eine nachhaltige Entwicklung und zur Armutsbekämpfung koordinieren. Ziele dieses Abkommens sollen u.a. die Förderung von „gerechtem wirtschaftlichen Wachstum, Maßnahmen zur Armutsbekämpfung, nachhaltige Nutzung und Management natürlicher Ressourcen und Umweltschutz“ sein. Auch soll eine regionale Datenbank eingerichtet und die gemeinsame Informationsnutzung und der Datenaustausch gefördert werden.

Die eingerichteten Organisationen und unterzeichneten Abkommen sollen zur Verbesserung des grenzübergreifenden Seegebietsmanagements beitragen, denn nur so kann Nachhaltigkeit der begonnenen Initiativen gewährleistet werden. Noch finden viele Aktivitäten auf nationaler Ebene statt und jedes Land setzt seine eigene Politik durch, aber der erste Schritt zu einer nachhaltigen Entwicklung sowohl für die Ökologie des Sees als auch zum Wohl der Bevölkerung ist gemacht.