Meer und Nachhaltigkeit

Warum sollten wir das Meer schützen, wir leben doch nicht in ihm? Oder doch?

Fallen dir Gründe ein, warum das Meer für uns so wichtig sein könnte? Nenne sie!

Unsere Ozeane sind der größte Lebensraum der Erde und bedecken mehr als 70% der Erdoberfläche, ca. 97 % des gesamten Wassers auf der Erde befinden sich in ihnen. Das sind ungefähr 1.350.000.000.000.000.000.000 Liter Wasser! Nur ca. 3 % des Wassers auf der Erde ist Süßwasser. Davon sind ungefähr zwei Drittel in gefrorenem Zustand in den Gletschern und an den Polen gebunden. Als Trinkwasser nutzbar sind lediglich 0,03 %, die Grund- und Oberflächenwasser entnommen werden.

Für den Menschen sind außerdem die Schelfmeere von besonderer Bedeutung. Dies sind die küstennahen Meeresgebiete, die im Gegensatz zu den offenen Ozeanen nur 10 % der Gesamtoberfläche der Meere ausmachen. In diesen Schelfmeeren werden 99 % der weltweit verspeisten Meeresfische gefangen. Außerdem leben 70 % der Weltbevölkerung in küstennahen Gebieten. Für die Menschheit sind diese Gebiete also von besonderer Wichtigkeit. Sie müssen nachhaltig genutzt und geschützt werden, um die Lebensgrundlage vieler Menschen zu bewahren. Um dies aber zu können, ist es wichtig, das Ökosystem Meer genau zu kennen und zu erforschen. Erst dann ist es möglich, eine nachhaltige Bewirtschaftung möglich zu machen und die Belastbarkeit des Meeres zu ermitteln. Viele internationale Projekte beschäftigen sich mit der Meeresforschung für Nachhaltigkeit. Sie umfasst mehrere Bereiche, doch Schwerpunkte dieser Forschung sind die Eutrophierung, die Untersuchung von Schadstoffen im Meer und die marine Artenvielfalt. Ein weiterer großer Forschungsschwerpunkt ist außerdem die Klimaforschung. Denn obwohl wir vieles noch nicht wissen und von dem riesigen Ökosystem bisher nur ein sehr kleiner Teil erforscht wurde, ist eines sicher: Die Ozeane spielen eine wichtige Rolle für die Regulierung des Weltklimas.

Kannst du den Unterschied zwischen Klima und Wetter erklären? (Siehe Dokument „Aufgaben und Lösungen“)

Die Ozeane haben direkte Auswirkungen auf unser Klima, weil sie die größten Kohlenstoffdioxidspeicher auf der Erde sind. Die im Wasser lebenden Pflanzen nehmen Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Atmosphäre auf und geben dafür Sauerstoff (O2) an die Atmosphäre ab. Das klimaschädliche Treibhausgas Kohlenstoffdioxid wird also nicht in die Atmosphäre entlassen und kann damit die weltweite Klimaerwärmung nicht weiter vorantreiben. Auch dies ist ein Forschungsgegenstand der Meeresforschung.

Da die Ozeane den größten Teil der Erde bedecken, sind sie es auch, die vom Klimawandel besonders stark betroffen sind, jedoch unterschiedlich heftig. Während sich klimatische Auswirkungen an der Meeresoberfläche in Wochen bis Monaten auswirken, dauert es Jahrhunderte bis Jahrtausende, bis eine Klimaveränderung sich in der Tiefsee niederschlägt. Die Eisschilde in der Arktis und Antarktis reagieren noch langsamer. Doch die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung in den letzen Jahrzehnten schreitet viel schneller voran, als das unter normalen Umständen der Fall wäre. Die Ökosysteme mit den darin lebenden Tiere und Pflanzen haben sehr wenig Zeit, sich an die schnellen Veränderungen anzupassen.

Aber was hat das alles mit der Meeresschildkröte Sammy zu tun? Meeresschildkröten sind den Klimaveränderungen auf ganz besondere Weise ausgeliefert. Sie nutzen zur Fortbewegung unter anderem auch die Meeresströmungen. Für uns Europäer ist der Golfstrom die wichtigste Meeresströmung. Sie transportiert warmes Wasser aus der Karibik und dem Golf von Mexiko nach Nordeuropa. Dieser warmen Meeresströmung ist es zu verdanken, dass es hier fast 8°C wärmer ist als auf dem gleichen Breitengrad in Nordamerika! Nur deshalb gibt es eisfreie Küsten bis in die Regionen nördlich des Polarkreises, Laubwälder und Getreideanbau, wo in anderen Erdteilen auf dem gleichen Breitenkreis subpolare Bedingungen vorherrschen. Ändert sich nun das Klima und damit auch die Temperaturen im Meer, so verändern sich auch diese Meeresströmungen, denn sie werden von den Temperaturunterschieden und dem Salzgehalt im Wasser angetrieben. So wie Luftströmungen von Vögeln für ihre Wanderungen genutzt werden, nutzen auch Meerestiere wie Meeresschildkröten dieses weltweite Strömungssystem für ihre Wanderungen. Würde es sich verändern, hätte das dramatische Auswirkungen auf die gesamte Meeresfauna.